3 Skills sind nicht verhandelbar
(wenn du dein eigenes Business führst)
Als ich 2016 mein erstes Business aufgebaut habe, hatte ich nur meine Expertise als Personal Trainer. Ich dachte mir zu dieser Zeit: „Reicht schon.“ Aber relativ schnell wusste ich: „Reicht wohl doch nicht.“
Wenn du ein Solo-Business führst, kümmerst du dich um alles selbst. Kundengewinnung, Marketing, Sales, Kundenarbeit und alles, was im Backoffice so anfällt. Oder nicht anfällt, aber trotzdem gemacht werden muss.
Früher oder später weißt du, was eine große Relevanz hat, was dich weiterbringt und was nicht.
Du wirst mit Themen konfrontiert, die du nicht kennst, von denen du noch nichts weißt oder die du erst lernen musst.
Ich schreibe das, weil es genau die Erfahrung ist, die ich selbst gemacht habe, als ich gerade noch frisch dabei war, mein Business aufzubauen.
Das Problem mit Skills ist, dass du sie erlernen kannst, aber nicht aufhören solltest, sie zu verbessern.
Dabei soll es nicht um die ständige Selbstoptimierung gehen. Denn die wirft langfristig mehr Probleme auf, als sie eigentlich lösen sollte.
In diesem Newsletter soll es um die 3 nicht verhandelbaren Skills gehen, die du lernen, entwickeln und verbessern solltest, wenn du ein eigenes Business führst.
Aber bevor wir in diese Skills eintauchen, lass uns mit einem ebenso wichtigen Thema anfangen.
Nichtwissen ist der Anfang
Das klingt ein bisschen philosophisch, soll es auch. Nichtwissen heißt nicht automatisch zu wissen, welche Skills dir fehlen. Dazu müsstest du zuerst in eine Situation kommen, in der du den Skill brauchst und anwenden musst.
Wenn du bisher noch nie einen Text für dein Business schreiben musstest, weißt du auch nicht, wie du gute Texte schreibst.
Das Nichtwissen bringt dich zu der Erkenntnis, dass gute Texte wertvoll und wirksam für dein Business sind. Und so entdeckst du einen Skill, der es wert ist, erkundet, gelernt und verbessert zu werden.
Bevor ich angefangen habe zu schreiben, wusste ich nicht, dass Schreiben wichtig und wertvoll für mein Business ist.
2023 bin ich von der Fitnessszene zu Copywriting/Ghostwriting gewechselt. Das war ein großer Sprung, aber genau hier lag das Potenzial. Durch meine Arbeit als Personal Trainer wusste ich bereits, wie man sich artikuliert.
Das hat mir geholfen, beim Schreiben besser zu werden.
Zu wissen, wie ich mich artikuliere, war der größte Treiber, um zu wissen, was ich schreibe.
Aber dann habe ich ein anderes Thema entdeckt, das noch vor den beiden Themen Artikulation und Schreiben liegt.
Keine Sorge, dieses Thema decke ich im Verlauf des Newsletters ab.
Lass uns nun in die 3 Skills eintauchen.
3 Skills, die nicht verhandelbar sind
Bevor wir hier weitermachen, noch eine andere Sache.
Mit KI hat sich die Arbeit an diesen Skills natürlich verändert, das ist mir bewusst. Ich würde dir aber nicht empfehlen, diese Skills komplett durch die Arbeit mit KI zu ersetzen. Vor allem Punkt 3 solltest du für dich behalten. Warum, erzähle ich dir gleich.
Klares Denken ist maßgeblich, um bessere Texte zu schreiben und dich besser zu artikulieren.
Der erste Skill, den ich an dich adressiere:
1. Wie du dich besser artikulierst
Hast du jemals jemandem zugehört und dir gedacht: „Wie findet er immer die richtigen Worte zur richtigen Zeit?“
Das kommt nicht von ungefähr, das ist Training und Übung.
Für mich besteht Artikulation aus drei Ebenen.
Die erste Ebene ist das, was alle hören: wie du sprichst. Langsamer reden, Wörter sauber aussprechen, Füllwörter wie „ähm“ und „halt“ weglassen. Das kannst du in ein paar Wochen spürbar verbessern.
Die zweite Ebene ist das Denken dahinter. Wenn du nicht klar denkst, kannst du auch nicht klar sprechen. Das beste Training dafür ist Schreiben. Beim Schreiben wirst du automatisch langsamer und merkst, wo deine Gedanken noch nicht zu Ende gedacht sind.
Die dritte Ebene ist Feedback. Nimm dich auf und hör dir zu. Das ist am Anfang unangenehm. Aber ohne das bemerkst du deine eigenen Muster nicht.
Als Beispiel:
In meiner Zeit als Personal Trainer war das ein besonders großer Faktor. Wenn du dich nicht klar und spezifisch artikulieren kannst, weiß der Kunde nicht, was er machen soll. Eine Übung zu erklären, ohne sie vorzuführen, war hier eine große Herausforderung für mich.
Wenn ich mich einmal nicht richtig artikulieren konnte, hatte das eine direkte Auswirkung auf den Kunden und sein Training.
Dieser Skill hat viel Übung gebraucht und Zeit mit Kunden in Anspruch genommen. Aber je mehr ich mit Kunden gearbeitet habe, desto schneller wurde ich besser.
Das Resultat war, dass die Trainings effizienter wurden. Ich konnte mich als Trainer klar und konkret ausdrücken, und meine Kunden haben verstanden, was sie wie tun sollten und vor allem, warum.
Die meisten konzentrieren sich nur auf die erste Ebene. Sie arbeiten an Tempo und Aussprache, klingen danach flüssig und sagen trotzdem nicht viel. Dabei ist die zweite Ebene die wichtigste. Wer regelmäßig schreibt, lernt Struktur, wird präziser und lässt Unnötiges weg. Und genau das hört man später auch beim Sprechen.
Entscheidend ist nicht, wie viel du übst, sondern wie. Stundenlanges Üben ohne Ziel bringt wenig. Was wirklich hilft: Du arbeitest an einer Sache, nimmst dich auf, korrigierst genau diese Stelle und bleibst ein paar Wochen dran.
Und gerade wenn du Sales selbst machst, ist das ein nicht verhandelbarer Skill, den du für dein Business brauchst.
Der zweite Skill, den ich an dich adressiere:
2. Wie du gute Texte schreibst
Gute Texte bringen deinem Business mehr, als die meisten denken.
Meine Gedanken in Worte zu fassen und sie so zu schreiben, dass sie die richtigen Menschen bewegen, hat mir seit meinem Start als Copywriter und Ghostwriter schon mehrere Kunden gebracht.
Ähnlich wie im direkten Gespräch mit Kunden solltest du auch hier deine Worte klar und spezifisch wählen.
Wenn du das nicht machst, weiß dein Leser nicht, was er genau tun soll.
Als Beispiel:
Social Content, etwa auf LinkedIn oder Substack, soll bei deinem Leser eine Reaktion auslösen. Je nachdem, in welche Richtung dein Content geht, baust du mit deinen Texten entweder Vertrauen auf oder du führst deine Leser ein Stück näher an dein Angebot und an eine Zusammenarbeit mit dir.
Ich weiß es noch genau: Juni 2023.
Meinen ersten Kunden habe ich nach 14 Tagen Content für mein damaliges Angebot gewonnen. Aber nur, weil ich an den 13 Tagen davor meinen Content spezifisch und konkret auf mein Angebot ausgelegt habe. In meinen Texten habe ich das genannt, was mein Kunde wissen musste, um zu handeln, ohne ihm direkt etwas zu verkaufen.
Der Post, der mir den Kunden gebracht hat, war lang genug, um das Wichtigste zu verpacken, aber kurz genug, um ihn „nebenbei“ zu lesen.
Was brauchst du dafür?
Das Wichtigste zuerst: Schreib einfach. Viele schreiben kompliziert, weil sie klug klingen wollen. Passieren tut das Gegenteil. Einfache Texte werden besser verstanden und wirken glaubwürdiger.
Ich stelle mir beim Schreiben vor, dass ich es einer einzelnen Person am Telefon erkläre. Erst kommt, was sie davon hat, dann, wie es funktioniert. Erst die wichtigste Info, dann der Beweis. Und eine Überschrift verspricht ein Ergebnis, nicht nur ein Thema.
Dazu kommt Struktur. Die meisten lesen deine Texte nicht Wort für Wort, sie überfliegen sie. Also: kurze Absätze, klare Zwischenüberschriften und das Wichtigste nach oben.
Und dann Geschichten. Fakten allein vergisst man schnell. Packst du sie in eine Geschichte, bleiben sie hängen. Deine Kundenbeispiele, deine Umwege und deine Fehler sind deshalb kein nettes Extra. Genau über sie kommt deine Botschaft an.
Mit KI wird das noch wichtiger. Einen glatten, austauschbaren Text bekommt heute jeder in Sekunden. Viele Leser merken das und vertrauen solchen Texten weniger. Deine Chance ist das, was eine KI nicht hat: deine eigenen Zahlen, deine Meinung, deine echten Beispiele.
Ich nutze KI für Gliederung, Recherche und Feinschliff. Aber den Kern, also meine Stimme und meine Geschichten, schreibe ich selbst.
Und jetzt der wichtigste Skill, der vor den beiden anderen Skills liegt:
3. Wie du klar denken kannst
Erinnerst du dich, was ich am Anfang über KI geschrieben habe? Hier ist die Geschichte dazu.
Als ich 2025 mehr mit KI gearbeitet habe, wurde mein eigenes Denken langsamer. Ich habe länger gebraucht, um meine Gedanken klar zu formulieren. Das war für mich ein erstes Warnsignal, um wieder etwas mehr Distanz zur KI zu schaffen.
Ich wollte nämlich nicht, dass KI mein eigenes Denken ersetzt und ich mich nur noch als Co-Pilot in meinen eigenen Gedanken sehe.
Was ich daraus gelernt habe: Klares Denken ist kein Talent. Du kannst es lernen, aber auch wieder verlernen. Und du brauchst dafür nur ein paar Werkzeuge.
Das wichtigste Werkzeug ist wieder das Schreiben. Oft denken wir, wir hätten keinen klaren Gedanken. Dabei sind die Gedanken da, nur unsortiert. Beim Schreiben holst du sie aus dem Kopf und bringst sie in eine Reihenfolge.
Ich warte deshalb nicht mehr auf die perfekte Idee. Ich fange an zu schreiben, um herauszufinden, was ich eigentlich denke.
Klarheit entsteht beim Schreiben. Du brauchst sie nicht vorher.
Dazu kommen zwei weitere Werkzeuge.
1. Struktur
Zerleg große Probleme in kleine. Sortiere deine Gedanken in Dreiergruppen. Bau jede Idee nach dem Muster Idee, Grund, Beispiel auf. Und trenne Fakten sauber von Annahmen und Meinungen.
Denkmodelle wie Second-Order-Thinking („Und was passiert danach?“) können zusätzlich helfen. Aber nimm pro Entscheidung höchstens ein bis drei davon, nicht alle auf einmal.
2. Denkfehler erkennen
Das Gemeine an Denkfehlern ist, dass sie sich von innen wie Klarheit anfühlen. Was mir hilft: Ich denke bewusst die Gegenposition durch. Und wenn viel auf dem Spiel steht, nehme ich mir mehr Zeit für die Entscheidung.
Und noch etwas: Lass dich nicht von jeder neuen Denkmethode verrückt machen. Vieles klingt gut, hält aber nicht, was es verspricht. Ich setze auf vier einfache Routinen:
- täglich schreiben
- Gedanken in drei Teile gliedern
- die Gegenposition durchdenken
- bei großen Entscheidungen langsamer werden
Die kosten fast nichts und bringen mehr als jede komplizierte Methode.
Wie du diese Skills entwickelst
Die drei Skills hängen zusammen, aber du musst nicht alle gleichzeitig angehen. Fang mit dem Schreiben an, denn das trainiert alle drei. Wenn du täglich schreibst, sortierst du dein Denken, wirst präziser und sprichst irgendwann auch klarer.
Mein Vorschlag für den Start: 30–60 Minuten am Morgen, bevor du Nachrichten beantwortest. Ein Gedanke, drei Absätze, fertig. Du musst nichts veröffentlichen und nichts bewerten. Es geht nur um die Routine.
Nach zwei bis drei Monaten nimmst du dir einen alten Text vor und markierst die Stellen, an denen du dich verheddert hast. Das ist dein Feedback.
Für die Artikulation kommt eine zweite Routine dazu: Zwei- bis dreimal pro Woche nimmst du dich auf. Ein Thema, ohne Vorbereitung. Danach hörst du dir die Aufnahme an und suchst dir eine Schwachstelle heraus, zum Beispiel Füllwörter, eine unklare Formulierung oder fehlende Struktur. Genau diese Stelle übst du am nächsten Tag noch einmal.
Schreiben und Aufnehmen ergänzen sich. Du denkst auf Papier, sprichst es laut aus und verbesserst, was noch hakt. Nach drei bis vier Monaten merkst du den Unterschied in allen drei Skills.
Nicht durch mehr Übung, sondern durch Übung an der richtigen Stelle.
Ich weiß nicht, ob das für dich funktioniert.
Für mich hat es das jedenfalls.